Im deutschsprachigen Raum konnte man lange Zeit an der Kleidung der Witwe erkennen, wie weit der Todesfall zurücklag. War sie nicht mehr vollkommen in Schwarz gekleidet, sondern trug sie zum Beispiel einen weißen Kragen, dann “trauerte sie ab”. Ihr Trauerjahr war fast vorbei.
Heute noch hören viele Witwen und Witwer, dass sie ein Jahr um ihren Ehepartner trauern sollten. Viele haben daher sogar heute noch ein schlechtes Gewissen, wenn sie vor Beendigung des Trauerjahres zu Konzerten Kegelabenden gehen oder sogar einen neuen Partner kennenlernen. Also gibt es das Trauerjahr noch, auf dem Lande ist es teilweise auch noch stark verbreitet. Nur schwarz muss es nicht mehr zwingend sein, mit einer bunteren Trauer bricht man aus der konservativen Haltung aus – nur ein neuer Partner sollte es eher weniger sein.
Dieser Restbestand an „gemeinsamer“ Trauerkultur ist in unserem Kulturkreis noch erstaunlich weit verbreitet. Das Trauerjahr gab es schon im Römischen Reich, allerdings nur für Witwen. Für alle Anderen betrug die offizielle Trauerzeit neun Tage.