Internet-Communities und ihre Verstorbenen
Seit ungefähr zehn Jahren nutzen Menschen zunehmend das Internet. Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2007 waren es 1997 in Deutschland nur 6,5 % der Menschen über 14 Jahren, zehn Jahre später 2007 sind es bereits 62,7 %. Die aktuellste Studie aus dem Jahr 2009, der (N)ONLINER Atlas, gibt 69,1 % Internetnutzer an. Immer größere Bereiche des Lebens hinterlassen im Internet Spuren. In Zukunft wird es – so wie es Karteileichen gibt – immer mehr verwaiste Interneteinträge geben.
Soziale Netzwerke wie Facebook, StudiVZ oder E-Mail-Anbieter haben sich dieses Themas angenommen. Sie verfahren sehr unterschiedlich, wenn ein Mensch gestorben ist und sie davon Kenntnis erlangen. Bei Facebook gibt es seit Oktober 2009 die “In memoriam”-Funktion. Freunde oder Angehörige können ein Online-Formular ausfüllen und den Tod eines Mitgliedes melden. Nur noch bestimmte Menschen haben Zugriff auf das Profil. Bei StudiVZ wird nach individuellen Regelungen gesucht sobald die Nachricht vom Tod eines Mitgliedes kommt.
In Zukunft werden unter den etwa 850 000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland sterben, immer mehr Internetnutzer sein, die ihre Spuren online hinterlassen. Die ersten Unternehmen haben dieses Problem erkannt und bieten Menschen an, Vorsorge für den Todesfall zu treffen. In einer Art Datensafe können Internetnutzer verschlüsselt ihre Zugangsdaten hinterlegen, die im
Todesfall an eine definierte Vertrauensperson gegeben werden. Datenschützer raten von solchen Diensten ab, doch das sollte jeder für sich selbst prüfen. Ebenso gibt es Dienste, bei denen man Nachrichten hinterlegen kann, die im Todesfall an zuvor bestimmte Email-Adressen verschickt werden.
Die Entwicklungen im Internet werden Auswirkungen haben auf die Gedenk- und Trauerkultur. In einer mobilen und vernetzten Welt reicht eine Todesanzeige in der Lokalzeitung nicht mehr aus, um alle wichtigen Leute zu informieren. Es müssen Wege gefunden werden, Freundinnen, Studien- und Arbeitskollegen oder alte Schulfreunde in aller Welt zu benachrichtigen.

Inzwischen verbreiten sich “Blog-Testamente”. Was geschieht mit meinem internetten Leben, wenn das Leben beendet ist?
Diese Frage haben sich einige Blogger gestellt und nur kurze Zeit später traf es die Bloggerin Flocke von Kroetengruen, die am 13.12.2009 verstarb. Ihr Testament findet sich in diesem Beitrag: Klick (und natürlich im Blog verlinkt).
Ich lebe noch und habe mir dennoch ebenfalls ein solches Testament gegeben: Klick.
So scherzhaft alles noch zu Lebzeiten gemeint ist, so wichtig wird es vielleicht für irgendjemanden werden, der dann trauert, wenn der Tod des Bloggers eingetreten ist.
[...] einigen Wochen wurde ich gebeten, für das Portal eines Bestatters einen Beitrag zu schreiben. Der Artikel ist zu meinem Lieblingsthema “Verstorbene im Internet”. Heute [...]