Als „alte“ Bergedorferin liebe ich den alten Teil des Friedhofs in Hamburg-Bergedorf. Mit dem Blick von der alten Kapelle 1 über das Land in die Vierlander Marschlandschaft bis hin zu den Harburger Bergen.
Der Friedhof Bergedorf ist ein etwa 1,5 km² großer Waldfriedhof direkt am Geesthang in Hamburgs östlichstem Stadtteil Bergedorf. Und doch erstaunt es mich, wie wenige wissen, wer dort bestattet wurde. Beispielsweise Friedrich Schütter (* 4. Januar 1921 in Düsseldorf; † 17. September 1995 in Hamburg), ein bekannter deutscher Schauspieler und Synchronsprecher. Wikipedia über ihn:
Als Synchronsprecher war Schütter untrennbar mit dem kanadischen Schauspieler Lorne Greene verbunden, den er als Ben Cartwright in Bonanza und auch in Kampfstern Galactica sprach. Unvergesslich ist seine sonore Stimme auch durch die Sprechgesangfassung der Desiderata (Segenswünsche) auf seiner Langspielplatte „Ein Mensch“ (1971).
Anderes Beispiel: Kurt Adolf Körber (* 7. September 1909 in Berlin; † 10. August 1992 in Hamburg), ein bekannter deutscher Stifter und Unternehmer im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus. Wikipedia:
1947 gründete er die Hauni Maschinenfabrik in Hamburg-Bergedorf (jetzt: Hauni Maschinenbau AG), die vor allem mit der Herstellung von Maschinen für die Fabrikation von Filterzigaretten bekannt geworden ist. Das Unternehmen ist heute Teil der Körber AG, eines international agierenden Maschinenbaukonzerns. Körber gilt als eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik.
Doch was nützt es dem Friedhof und seine Kapellen, seinen Gräbern und Bewohnern, über vergessene Tote zu lesen, zu sprechen? Ich persönlich finde es wichtig, dass wir uns erinnern und an den Gräbern sehen, wer hier in Bergedorf lebte, wer alles unsere Bergedorfer Straßen betrat, wer bewegte und mitveränderte.
Kennen Sie Kapelle 1, die „ alte“ Bergedofer Kapelle? Sie ist wunderschön mit Ihrer Glaskunst, in ihrer Form, in ihrem Bau. Ein richtiges kleines Kunstwerk. Erbaut wurde diese Kapelle 1909-1912 – eine Aussegungskapelle in barockem Backstein.
Innen jedoch „verkümmert“ diese schöne Kapelle während das Zentrum unserer Stadt erneuert, in eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft investiert wird. In dieser Kapelle jedoch fehlt der Glanz den sie verdient hat, den unsere Verstorbenen verdienen. Die Farbe ist alt und verblichen, fast schmuddelig, die Stühle alt und geschmacklos für diesen Bau. Der Boden der Kapelle ist dringend zu säubern, zu verschönern. Wer den Blick in der Trauer senkt, so fallen seine Tränen auf einen Fußboden, in dem die Fliesen gesprungen sind, der Verfall hässlich sichtbar ist.
Es fehlt wenig, um diesen Prachtbau wieder in den Glanz zu bringen, den auch unsere Verstorbenen verdient haben. Doch trotz vieler Anfragen heißt es, es sei „kein Geld in der Kasse“. Da stehen nun fast täglich teure Särge und Urnen von bekannten und „unbekannten“ Bergedorfern in „ihrer“ Kapelle und wir nehmen Abschied von unseren Liebsten auf alten Stühlen, umgeben von einem Ausdruck der schön sein kann, durch Blumenarrangement, Kerzen verbergen die Vernachlässigung, mit Tüchern wird verdeckt und „verdrängt“.
Die Bestatter geben alles, um diese „kleinen“ Missstände für die Trauergäste zu verdecken. Nur warum lassen wir es als Bergedorfer Bürger zu, dass diese schöne, alte Kapelle, die gebaut wurde, um uns einen würdevollen Rahmen, ja Raum zu geben, so verkümmert?
Was sind uns diese Bürger, die diese Stadt, unser Zuhause, gestaltet haben, wert? Wie sehr schätzt und ehrt eine Stadt ihre Bürger, wenn dieser Ort verkümmert und „kein Geld in der Kasse“ ist für einen schönen Anstrich, einen schönen Bodenbelag, eine schöne Beleuchtung, eine gute Musikanlage?
Unsere Verstorbenen haben Bergedorf zu dem gemacht, was es ist – wo wir heute investieren, so haben die Verstorbenen doch auch das Recht darauf, eine schöne, gepflegte Aussegnungskapelle zu haben. Kein Geld in der Kasse für unsere Achtung, unseren Respekt vor den Bürgern, die Bergedorf erhalten, erbaut, belebt haben?
Ich träume von Bergedorfern, die sich einsetzen – ich träume von einer schönen Beleuchtung, einem wunderschönen Farbanstrich, einem gepflegten Bodenbelag in dieser Kapelle für uns „alte“ Bergedorfer. Wir haben hier auf dem Bergedorfer Friedhof eine Kapelle, die wunderschön sein kann – ein Juwel.
Für ein gemeinsames Engagement habe ich zusammen mit interessierten Menschen aus allen Gesellschaftsgruppen einen Förderkreis für den Bergedorfer Friedhof gegründet – besuchen Sie unsere Website unter Friedhof-Bergedorf.de.
Wie sieht der Friedhof in Ihrer Umgebung aus? Wird er gut gepflegt oder trügt der Schein? Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen mit dem Thema und diskutieren Sie hier mit.

