Rosenkranz-Schreibwettbewerb: Entscheidung

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Die Jury des Rosenkranz-Schreibwettbewerbes bedankt sich recht herzlich bei allen Teilnehmern. Wir haben viele unterschiedliche Einsendungen erhalten, die sich sehr gefühlvoll mit dem thematischen Rahmen beschäftigt haben. Es war nicht einfach, daraus die besten drei Autoren auszuwerten. Deshalb haben wir uns entschieden, den dritten Platz zweifach zu belegen. Im folgenden das Ergebnis unserer Entscheidung mit jeweiliger Begründung.

1. Platz: Moritz Clauß – “Sterben lassen”

Bei diesem Text berührt die Schlichtheit der Darstellung. Er beschreibt nachvollziehbare Reaktionen auf eine Trauernachricht. In einer Art Monolog wird inneres und äußeres Verhalten stringent beschrieben: Gefühle und Wahrnehmungen der Außenwelt (lachende Kinder, …), Erinnerungen an schöne Zeiten und Erinnerungsfetzen aus der Zeit der Krankheit, im Krankenhaus et cetera. Zuletzt wird angedeutet, wie eine Verarbeitung der Trauer beginnt: In der Einsamkeit der Natur. Der letzte Satz führt überraschend an den Anfang zurück und setzt Nachdenken frei.
Das Ganze halten wir für gelungen, gerade weil es in der Beschreibung bleibt und nicht zu großen Hoffnungen Zuflucht nimmt. Herzlichen Glückwunsch!

2. Platz: Roman Walloch – “Der Schmetterling”

Hier wird der spannende Versuch gemacht, das bekannte Gleichnis von Raupe, Puppe und Schmetterling mit einer fiktiven Geschichte zu füllen. Sicher ist da einiges konstruiert: Der “kleine” Tom stellt sehr erwachsene Fragen, außerdem wirkt er geradezu seelsorgerisch geschult: “Wie war das damals, als ihr euch kennengelernt habt?” Dann unterdrückt die Grossmutter erst die Tränen, um sich kurz darauf “gut gelaunt” zu fühlen. Außerdem brechen Menschen nur im Kitschroman “lauthals in Tränen aus”.
Dennoch gelingt es dem Verfasser letztlich, den gewollten Zusammenhang glaubhaft zu illustrieren. Deshalb verleihen wir Roman Walloch den 2. Preis. Herzlichen Glückwunsch auch Ihnen!

3. Platz: Magdalena L. und Arunika Senarath

Bei diesem letzten Platz war es sehr schwierig, sich zu entscheiden. Zum einen glänzt Magdalena L. mit einfachen Worten und doch so viel Liebe und Gefühl. Sie beweist mit ihren “Liebesbriefen an meinen (verstorbenen) Freund” sprachliches Können – mit wenigen Worten wird ein starker Eindruck vermittelt, wird der Leser tief im Innern berührt.
Arunika Senarath besticht mit ihrem Gedicht ebenso durch die Knappheit der Aussagen. Allerdings kommen die Wendungen allzu schnell und damit unglaubhaft: Die Lösung des “ungemeinen Schmerzes” kommt in einem Augenblick. Und woher die Gewissheit, “dass du nun ruhst, ruhst zufrieden…” und dass “deine Seele… schwebt umher in Gottes Reich…”? Der Schluss wiederum deutet Sinngebung an, eine zukünftige Verwandlung: “ich behalt’s und geb’ es weiter”. Ende gut, aber nicht alles gut – also verleihen wir auch diesem Text den 3. Preis.
Einen herzlichen Glückwunsch auch diesen beiden Teilnehmerinnen.

Fazit

Es hat uns sehr berührt, dass so viele vielseitige Text bei uns eingegangen sind – etwa ist uns auch der Text von Bernd Kehren aufgefallen, der zu einem der ersten drei Plätze jedoch nicht gereicht hat. Doch was geschieht mit den übrigen guten Texten? Wir planen für 2011, ein Buch aus den Beiträgen dieses Wettbewerbs zu veröffentlichen. Alle Teilnehmer, die Interesse haben, daran mitzuwirken, können uns dies mitteilen. Wir freuen uns auch über neue Einsendungen – nicht nur Texte, sondern auch Bilder (Fotos, Zeichnungen etc.).

Auch ist uns aufgefallen, wie viele Menschen über Tod, Abschied, Trauer und Hoffnung nachdenken. Wie viele Menschen sich darüber austauschen wollen, aber bisher keinen Platz dafür finden konnten. Das Rosenkranz-Portal möchte genau diese Rolle einnehmen – bei unserem Schreibwettbewerb hat sich denn auch deutlich gezeigt, wie wichtig diese ist. Wir möchten Sie dazu einladen, am Austausch teilzuhaben, Ihre Gedanken mitzuteilen und ein Stück Hoffnung mitzugestalten.

Umfrage manipuliert?

Einige Besucher haben darüber diskutiert, dass die Umfrageergebnisse ihnen zum Teil unverhältnismäßig erschienen. Es kam die Vermutung auf, dass Personen abgestimmt haben, die den jeweiligen Text gar nicht gelesen haben. Das können wir natürlich nie ausschließen. Allerdings können wir dennoch objektiv auswerten, welche Texte eindeutig von den Besuchern favorisiert wurden. Dies haben wir als Stütze für unsere abschließende Entscheidung genommen.

Die Jury

Unsere Jury bestand aus folgenden Personen:

  • Regina Rosenkranz, Bestatterin
  • Martin Orgaß, Bestattungshelfer
  • Juliet Wagner, Trauerbegleiterin
  • Gisela Hahne, Hospiz-Mitarbeiterin
  • Sybilla Kazich, Hausfrau und Mutter
  • Peggy Kadow, Buchhändlerin
  • Erich Zschau, Pastor im Ruhestand
  • Malte Bockholt, Auszubildender
  • Jan Eijking, Schüler

Kategorie: Austausch
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Bisher 2 Antworten.

  1. Moritzschrieb am 30. November 2010 um 17 Uhr 14:

    Erstmal freue ich mich natürlich sehr, dass mein Text so gut angekommen ist – vielen, vielen Dank! Und ich freue mich ebenfalls für den zweiten Platz, der mir von den anderen Teilnehmertexten am besten gefallen hat :) …Bei der Umfrage bin ich allerdings nach wie vor der Meinung, dass es da ein besseres Kontrollsystem hätte geben sollen, um dieses “Social-Network-Rennen” zu unterbinden.

  2. Magdalena L.schrieb am 30. November 2010 um 21 Uhr 40:

    Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern und vielen Dank an die Jury!

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