Liebesbriefe an meinen (verstorbenen) Freund
In diese Herrlichkeit ist mein Freund eingezogen. Wenn ich den Himmel betrachte, dann weiß ich, dass mein Freund “da” ist. Irgendwo. Fern und doch so nah.
01.06.
Als ich Dich kennenlernte, da fasziniertest Du mich gleich.
Du kannst reden, und vor allem: Du hast auch etwas zu sagen.
So viel wäre da, was ich noch würde hören wollen.
Soviel, was noch da sein könnte.
Wir wissen beide, dass die Zeit endlich ist.
Wollen wir es wahr haben? Ich glaube nicht. Wir verdrängen beide nicht,
sondern leben für den einzelnen Tag!
Wer weiß, was morgen sein wird, heute, da leben wir.
03.06.
Sterben muss vertuscht werden, sterben ist nicht schön – Sterbende brauchen
Menschen, die sie nicht halten, sondern gehen lassen. Sie brauchen die
weltliche Liebe für einen Weg in ein anderes Sein.
11.06.
Nun ist es geschehen.
Eine “schöne” Karte… mit Spuren im Sand, in warmen Tönen gehalten… mit
einer Sonne, die übers Meer scheint und Vögeln am Himmel.
Eine Karte, die zu Dir gepasst hätte… ach, verdammt!
Du, Freund, bist in eine andere Herrlichkeit eingezogen.
Dein Körper war kaputt und es war absehbar, dass es irgendwann nicht mehr
gehen würde – leben, am Leben bleiben, am Leben teilnehmen, teilhaben. Unsere
Liebe spüren.
Du wolltest nicht sterben. Du wolltest leben.
Heute, da lebe ich weiter. Allein.
Warst doch noch gar nicht alt.
Es ist geschehen und es macht mich sehr traurig, weil ich dir doch gewünscht
hätte, dass Du einen anderen Weg hättest gehen können.
Auch, wenn ich weiß, dass dies nicht realistisch war.
Ich vermisse Dich, mein Freund!
Ich wünsche Dir Frieden.
12.06.
Freund, der Du vorangegangen bist, ich habe Dich sehr lieb!
Ich vermisse unsere täglichen Gespräche.
Deine Stimme, sie fehlt mir.
Dein Lachen. Deine Wortwahl.
Du mochtest so gern hören, wie ich schööön sagte.
Sie war so, so, so schööön, unsere gemeinsame Zeit.
Zeit, mit Dir gehabt zu haben.
13.06.
Niemand verdient, so früh zu sterben.
Dennoch hoffe ich, dass Du weißt, dass Du unvergessen bleibst, mein Freund!
Du wolltest zurück nach Hause, hast daran geglaubt, auch, wenn Du doch schon
im Haus des Todes lebtest.
Der Verlust, Dich nicht mehr in meinem Leben zu wissen, ist unsagbar groß
für mich.
Auch, wenn Du dieses Tagebuch gar nicht mehr lesen kannst, so schreibe ich
für Dich, an Dich, für unsere Liebe, unsere Freundschaft.
16.06.
Ich wusste, dass Dein Leben zu Ende geht.
Deine Sprache wurde immer verwaschener.
Dann konntest Du gar nicht mehr telefonieren.
Die Kraft fehlte.
Heute bist Du an einen guten Ort gezogen, mein Freund. Du, den ich
schmerzlich vermisse.
Mein Gefühl sagt mir, bei allem Verlust, allem tiefen Schmerz, dass Du jetzt
einen freien Körper haben wirst, der Dir keine Belastung mehr sein wird.
Du musst nicht mehr in einem Bett liegen, ohne laufen zu können.
Kein Schmerz kann Deinen Körper mehr quälen.
Du wirst jetzt so viel mehr tun können. Das hoffe ich. Daran glaube ich. Für
Dich.
Für mich. Damit Dein früher Tod irgendeinen “Sinn” hat.
Pantherkatze, die Du so gern mochtest, und ich, Deine Freundin, wir beide
schicken Dir Grüße von Herzen, wohin auch immer…
25.06.
Nun sind einige Tage vergangen. Tage, in denen sich das Wissen breit macht,
dass Du nicht mehr lebst.
Und dennoch bleibt dieses Gefühl des es nicht wahrhaben wollen, es nicht
können vielmehr.
So fremd und doch so real.
Vermutlich wird es noch eine ganze Zeit in Anspruch nehmen, bis sich dieses
Wissen setzt.
Dass Deine Lebenskerze noch lange stehen bleiben wird, davon bin ich fest
überzeugt. Gibt es da doch noch mehr Menschen, die Dich geliebt haben.
Lieben wollte ich schreiben
, das sich setzen dauert.
28.06.
Lieber Freund, ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Dich auf Deinem letzten
Gang, hinein in die Arme von Bruder Hein nicht zu sehr quälen musstest.
Dass Du dort, wo Du nun lebst, ein Zuhause vorgefunden hast, das Dir Frieden
gibt.
Und von dort wirst Du warten auf die, die Dich lieben. Auf die, die Du
liebst.
Und auf Deinen Hund.
31.06.
Du bleibst in meinem Herzen! Immer.
Wir haben gegenseitig etwas geteilt, das sehr wertvoll ist.
Dies hat uns beide reicher werden lassen.
Das ist nicht weg und wird es auch nie sein.
Es ist ein Stück von uns beiden geworden, wo immer unsere Seelen sich auch
aufhalten werden.
10.07.
Mein schwarzer Panther und ich, wir senden Dir Friedensgrüße! Ich hätte Dir
gewünscht, dass Du ihn noch mal hättest sehen können.
Ich hätte Dir so viel gewünscht, aber es lag weder in Deiner, noch in meiner
Hand.
Wir wussten es beide und doch wolltest Du es nicht wahrhaben. Hast gekämpft.
Hast gehofft. Hast geträumt.
Danke, dass Du mich ein Stück meines Lebens begleitet hast.
Es ist ein bisschen heller und wärmer durch Dich geworden.
Ich habe Dich sehr, sehr lieb.
Und ich bin so froh, dass ich Dir das auch des Öfteren gesagt habe. Egal,
was andere von uns dachten. Ob sie schauten, ob sie schmunzelten oder
vielleicht sogar tuschelten. Ich habe Dich lieb, und daran ändert sich auch
jetzt nichts.
11.07.
- Ein Monat
-
Verdammt, Du Freund, der Du nicht mehr in meinem Leben weilst, ich wusste
bereits, dass das Leben wertvoll ist! Dazu hättest Du nicht gehen müssen!
Es ist so verdammt ungerecht. Du wolltest doch leben. Du hast gekämpft.
15.07.
Weißt Du, worüber ich froh bin? Dass ich nichts vergessen habe, Dir zu
sagen, was wichtig gewesen wäre!
Wie schlimm muss es für Menschen sein, Dinge nicht gesagt zu haben, und es
ist vorbei!
Nein, so war es bei uns nicht.
Wir haben eine so intensive Zeit gelebt.
Wir haben uns gemocht. Wir haben geliebt. Und wir haben trotz unseres
Altersunterschiedes dazu gestanden.
Das hat nicht wenige etwas seltsam berührt. Na und? Das haben wir uns beide
gesagt. Wir taten nichts Verkehrtes. Wir waren vielleicht ein ganz kleines
bisschen verrückt – und das gerne!
19.07.
Freund, Du hast in einem Chor gesungen, bevor Du krank wurdest.
“Streets of London” war eines “Deiner” Lieder.
Und natürlich “Nehmt Abschied, Brüder”.
Egal, wie ernst ein Thema war, wurde. Wir kamen immer wieder ins Lachen.
Leben.
Und jetzt sitze ich hier, mit Tränen in den Augen, und “schreibe” Dir.
Es hört einfach nicht auf.
Ich wusste doch, dass es so kommen würde.
Das wussten wir beide.
Aber manchmal, da habe ich mitnehmen lassen auf diese unbeschwerte
(Gedanken)reise, was noch alles kommen könnte.
Kurz vor Deinem Tod war es Dir ganz wichtig, dass ich Dir versicherte, dass
ich Deine Freundin bin! Ach, Freund, mich stimmt traurig, dass so viele
Menschen “Dich im Stich ließen”, wie Du es sagtest.
Nein, ich war nicht weg. Ich bin nicht weg. Ich habe Dich lieb!
Auch jetzt. Und das wird immer so sein. Das, was man sich verantwortlich
gemacht hat, das ist einem nahe. Wir sind uns nahe.
20.07.
Die Musik dröhnt laut… die Bässe tun meinen Ohren und meinem Bauch weh und
zugleich gut.
Ich weine, aber nur innen. Ich habe keine Tränen.
Alles tut weh.
Ich könnte schreien.
Ich könnte toben.
Ich… bin so unsagbar traurig.
24.07.
Du kannst jetzt bei den Bäumen sein, die fast in den Himmel wachsen, bei den
Vögeln… und ich bin mir sicher, dass auch dort, wo Du jetzt sein wirst,
jemand ist, der Dich vor den Fliegen und den Wespen bewahrt…
Lieber Freund, Du warst mit so kleinen Dingen zufrieden, Du brauchtest keine
großen Güter, für Dich zählte das Herz auf dem rechten Fleck zu haben.
26.07.
Lieber Freund, manchmal habe ich mir gewünscht, ich hätte einen Vater wie
Dich gehabt… das habe ich Dir auch gesagt.
Ich habe so gern in Dein Gesicht geschaut, in Deine wasserblauen Augen, in
Deine warmen, weisen Augen, in Dein herzliches Lächeln… wie gern habe ich
mit Dir gelacht, mit Dir geredet, mit Dir einfach nur da gesessen und ab und
an haben sich unsere Hände berührt
.
02.08.
Heute habe ich wieder lange mit Dir “gesprochen”.
Eben auf die Weise, die uns jetzt möglich ist.
Weißt Du, es treten neue Menschen in mein Leben.
Menschen, von denen ich glaube, dass sie Dir gefallen könnten.
Ich muss so oft während eines Tages an Dich denken.
An Deine Art. An Deinen Humor.
Ja, das Lachen findet wieder einen Platz in meinem Leben.
Glaubte ich zuerst, es würde nie mehr so sein, wie es war, so weiß ich
heute, wie reich Du mich beschenkt hast!
Du, Freund.
06.08.
Tod ist immer noch eines unserer größten Tabuthemen in der heutigen
Gesellschaft, dies war nicht immer so, aber in Zeiten, wo Tod eben als nicht
schön, nicht passend empfunden wird, da fällt es dann Menschen auch sehr
schwer, darüber zu sprechen.
15.08.
Lieber Freund, gestern war es soweit, ich war das erste Mal nach Deiner
Beerdigung an Deinem Urnengrab.
Neben Blumen legte ich Dir einen ganz persönlichen kleinen Gruß nieder.
Ein kleines, selbst genähtes Plüschtier.
Damals, da hatte ich Dir so ein genähtes, kleines Tier geschenkt.
Ich hatte eines für Dich und eines für mich hergestellt.
Damit wir, wenn wir uns nicht sehen konnten, etwas Gemeinsames hatten zum
anschauen, zum an den anderen denken.
Wie hatte Dich diese kleine Geste gefreut gehabt – damals.
Nun hast Du mein Tierchen bekommen.
Ich brauche es nicht mehr, denn Du kannst Deines nicht mehr ansehen.
So sehen wir es beide nicht mehr und doch begleitet es uns weiter.
27.08.
Ich danke Dir für unsere gemeinsame Zeit, für unsere Freundschaft, für
alles, was zwischen uns war.
Danke, dass es Du mein Freund warst!
Ich habe Dich so sehr lieb.
Auch, wenn Du nicht mehr hier auf der Erde bist, so weiß ich, wenn ich an
Dich denke, eine Kerze für Dich entzünde, Deine Musik höre
, dass Du “da”
bist, mir nahe bist.
Das macht mich froh.
Das gibt mir Hoffnung, dass niemand vergessen ist, nur, weil er nicht mehr
unter uns weilt.
Zieh weiter, lieber Freund, Du lebst jetzt in einer anderen Zeitrechnung und
wenn wir uns irgendwann wiedersehen, dann werden es für Dich nur Minuten der
Trennung gewesen sein.
Deine Dich liebende Freundin

