Hey Einbuddler

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Ob Undertaker, Einbuddler, Tiefleger oder noch „nettere“ Sprüche zu meinem Berufsbild höre ich ständig.
„Bringt Ihnen das Spaß, dieser Beruf? Sie legen doch täglich Leute flach…ähm, ich meine tiefer, Sie buddeln ein. Na ja, das Bestattergeschäft ist ja krisenfest!“
Von Regina Rosenkranz

Viele solcher salopper Sprüche höre ich oft.

„Das kann doch keinen Spaß bringen – oder?
Wie halten Sie das aus, immer Tote und weinende Menschen?“

Ich schiebe meine Wut über diese oft noch viel makabereren Sprüche, meine Entrüstung, meine Gereiztheit, meine Verletzlichkeit, mein Genervtsein beiseite und überlege… kann mein Beruf Spaß bringen?
Hier meine Gedanken dazu:

Vielleicht ist das Wort Bestatter einfach zu hart für diesen Beruf, den ich ausübe, zu absolut, wie er im Volksmund beschrieben wird.
Da kommt der Bestatter, gleich kommt der Bestatter…? Die machen alles, regeln alles, die holen ab.
Die organisieren alles. Schwupp, die Oma – der Opa ist weg. Bestatter, die zocken ab; das Bestattungsgeschäft ist ja ein todsicheres Geschäft… und so weiter…und so weiter….

Der Bestattungsberater – so nenne ich meinen Beruf – der Bestattungsberater, das ist ein schöner Beruf.
Wie so oft im Leben, denke ich, es kommt darauf an, mit welcher Ethik wir Menschen unsere Berufe z.B. als Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten, Bestatter, Sozialarbeiter, Hebammen etc. ausüben. Ob wir unseren Beruf als Berufung verstehen.

Der Bestattungsberater geht ein Bündnis mit dem Tod und den davon betroffenen Menschen ein.
Einen Bund mit den Lebenden, den Hinterbliebenen und dem Verstorbenen und dessen gelebtem Leben.

Im Grunde hat der Bestattungsberater – wie ein Arzt – die gleichen ethischen Ansprüche Leiden zu lindern, zu helfen, den Grundstein für einen Heilungsprozess zu legen, die Trauernden so gut wie möglich heilend zu unterstützen.
Respekt vor den lebenden und toten Menschen zu bewahren, den Respekt, die Achtung zu erhalten, den Menschen – ob tot oder lebendig – zu schützen.

Achtsam und respektvoll vor Menschen zu bleiben, zu sein, die sich in einer fast hilflosen Situation befinden, die sich in einer extremen Situation des Lebens anvertrauen müssen. Eine Situation, die wir Menschen in keinem Fall beherrschen, wo wir fragen und abgeben müssen, Hilfe benötigen.
Gerade hier gilt es, jede Art von Machtausübung zu vermeiden, um diese Hilflosigkeit, teilweise Kopflosigkeit, in keinem Fall auszunutzen.

Wir sollten als Bestatter darauf achten, mit welcher Ethik wir diesen Beruf verstehen und mit welcher Ethik wir die Verstorbenen betrachten.

Es ist ein Beruf, der viel Fingerspitzengefühl, viel Sachkompetenz und Flexibilität, eine hohe menschliche Kompetenz und Konsequenz erfordert.

Es ist ein Beruf, für den die Voraussetzung sein sollte, die Menschen zu respektieren, wie sie sind, ohne zu bewerten, die Lebenden wie die Verstorbenen.
Vielmehr sollten wir als Bestattungsberater mit unserem Wissen, unseren Erfahrungen unterstützend wirken. Wir sollten in allen Bereichen durch Aufklärung Mut machen, sich für die Rechte einzusetzen, Rechte und Pflichten zu erkennen, unterscheiden zu können, selbstverantwortlich handeln zu können.
Trotz oder gerade wegen der unbekannten Situation, die ein Todesfall oft darstellt.

Wissen ist Macht und Wissen ist kostbar. Wer sich bei einem Bestatter Zeit geben lässt, wo ein Bestatter sich Zeit lässt, gut zu beraten, werden sehr häufig auch enorme Kosten eingespart. Beratung hilft, sich zu orientieren, hilft, eine eigenständige Entscheidung zu treffen.

In der heutigen Welt – der heutigen Wirtschaft ist Zeit jedoch wertvoll. Zeit ist Geld, wie der Volksmund sagt.

Bestatter sind Dienstleister, und das in einem Berufsumfeld, welches den Menschen, die diesen Beruf ausüben, tatsächlich sehr viel abfordert.

An den Bestatter werden hohe Anforderungen von Angehörigen gestellt: Alles soll heute schnell gehen und besonders sein und besonders billig noch dazu.
Den Druck auszuhalten, dass man als Bestattungsberater tatsächlich den letzten Weg eines Verstorbenen einmalig mitgestaltet und jeder Fehler vermieden werden muss.
Denn menschliche Fehler können für Angehörige eine Katastrophe bedeuten. Jeder Abschied von einem Menschen ist auf dieser Welt einmalig und kann in keinem Fall wiederholt werden.
Ja, der Beruf des Bestatters hat mit viel Verantwortung zu tun. Der Berater, der Begleiter – egal, wie wir diesen Beruf nennen, hat mit einem hohem Maß an Verantwortung zu handeln.

Er muss dem Druck der Marktveränderungen standhalten können, die dahin gehen, dass Bestattungsunternehmen immer mehr wie ein Logistikzentrum funktionieren, um überleben zu können.

Was ich damit genau meine, ist, dass der Kunde heute durch das Internet informierter denn je ist, und meint schnell die Übersicht über unsere Tätigkeiten und über unsere Preise zu haben. Er vergleicht und vergleicht doch in keinem Fall. Bisher kann das Internet in keinem Fall belegen, wie der Bestatter, der Discountpreise inseriert, ethisch mit einem Verstorbenen und deren Angehörigen umgeht.

Der Kunde zahlt für die Zeit, die Gespräche und Begleitung „kosten“, für den Einsatz am Verstorbenen, wie z.B. das Ankleiden eines Verstorbenen mit seinen eigenen Sachen, das ordentliche Einbetten, für den ordentlichen, respektvollen, ethischen Umgang mit einem Verstorbenen die geringste Summe, die geringste Aufwandsentschädigung. Dienstleistung sollte billig sein.

Genau bei diesen Positionen (Überführung, Ankleiden, Einbetten) beginnt jedoch der Umgang mit einem Verstorbenen und die Zeit, die Ethik, die Wertigkeit des Berufes des Bestattungsberaters, des Bestatters.
Ja, es bringt „Spaß“ einem Verstorbenen Zeit zu widmen, ihn zu schützen und zu achten.
Es tut sogar gut, genau das zu tun. Etwas GUTES zu tun, tut gut!

Der Kunde / Angehörige ist jedoch gerade in der heutigen Zeit immer noch eher bereit, lieber für einen teureren Sarg mehr Geld auszugeben als für die Begleitung und Beratungszeit.

Immer noch sind die Kunden eher geneigt für „tote “Waren zu bezahlen als für die Ethik, die Beratung, die Dienstleistung.

Ein ungeheurer Widerspruch zwischen dem Anspruch, als Bestattungsberater die Lebenden und die Toten schützen zu wollen, und der Wirtschaftlichkeit eines selbstständigen Bestattungsunternehmers hat längst begonnen.

Um überleben zu können, werden Särge so billig wie möglich aus Polen eingekauft, die deutschen Särge sind plötzlich zu teuer und deutsche Wertarbeit bezahlt kein Kunde mehr. „Geht nicht auch schon Pappe?“

Die Bestattungsbrache kämpft mit neuen Ansätzen „anders“ zu bestatten und doch bleiben die Grundtätigkeiten bei allen Bestattern die gleichen.

Seit der Abschaffung des Sterbegeldes haben die Kunden, vom Tod überrascht, ein leeres Konto.
Da nicht vorgesorgt wurde, der Tod ein Tabuthema ist, stehen viele vor der reinen Kostenfrage, was verständlich ist.

Die Entwicklung der ständigen Zunahme von Feuerbestattungen macht es selbst den Friedhöfen schwer, kostenoptimiert arbeiten zu können. Auf vielen Friedhöfen wurden dramatisch Arbeitsplätze reduziert.
Zu Lasten der Pflege des Friedhofes, von Gräbern und zu Lasten der Beratung und Dienstleistung.
Friedhöfe und Bestatter kommen längst in die Not, den Spagat von Kosten und Aufwand in einen realen, wirtschaftlichen Einklang bringen zu müssen.
Längst hat das Sterben von Friedhöfen und Bestattungsunternehmen begonnen.

Die Friedhöfe werden verkauft, privatisiert und die Toten werden „entsorgt“, z.B. in Tschechien.
Billig ist der Trend. Schnell, billig und anders soll es sein.
Gleichfalls ist in ganz Deutschland der RUF nach WERTEN so groß wie nie.

Eine fatale Entwicklung zu dem Thema Ethik und ethischen Umgang mit Verstorbenen.

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Ja, ich liebe und lebe meinen Beruf. Ich habe einen Beruf, der mit viel Verantwortung zu tun hat, der offene Augen und Ohren von mir fordert, der meine Moral, meine Ethik, die Werte meines Lebens täglich neu auf die Probe stellt. Ich habe einen Beruf, der Kreativität und Kommunikationsbereitschaft voraussetzt. Ich lege eben in keinem Fall einfach nur jemanden „tiefer“.
Auch ein krisensicheres „Geschäft“ ist es schon lange in keinem Fall mehr – die goldenen Zeiten sind vorbei. Die goldenen Zeiten, wo Erdbestattungen an der Tagessordnung waren, wo es Sterbegelder gab und der Staat Familien bei einem Sterbefall finanziell unterstützte, wo das Sterben kein Tabuthema war, wo noch Zuhause gestorben wurde – diese Zeiten sind vorbei.

Es ist ein harter Wettbewerb, eine logistische Herausforderung geworden. Es ist ein Beruf geworden, in dem wir uns entscheiden müssen zwischen Billigsärgen, Discountbestattungen und Massentransporten von Verstorbenen nach Tschechien und unserer Moral, unserer Ethik.
Im Umgang mit Verstorbenen hat jeder von uns die Wahl, sich für die „wahrhaftigen“ Werte zu entscheiden.

Ja, mein Beruf kann schön sein – für mich ja. Ich habe mich entschlossen den Menschen zu achten, den Lebenden wie den Verstorbenen.
Und so lange mir das gelingt, habe ich einen der schönsten und wichtigsten Berufe des Lebens!

Kategorie: Allgemein
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