„Verfall der Bestattungskultur“?

Spätestens seit den 1990er Jahren spricht man gemeinhin von einem „Verfall der Bestattungskultur“.

Seit 2004 kein Sterbegeld mehr gezahlt wird, fehlt vielen Menschen Geld für ein „ würdiges“ Begräbnis. Die Arbeitslosenzahlen steigen, die Menschen werden immer älter, Pflegekosten sind schwer bis kaum aufzubringen, Bestattungsverträge müssen ausgezahlt werden , um die Heimkosten/ Pflegekosten bezahlen zu können.

Ein“ Schonvermögen“, um eine Bestattungskultur absichern zu können, gibt es eher weniger. Bestattungsverträge und hinterlegte Gelder werden immer häufiger „ aufgefressen „ für Pflegekosten.

Kein Geld mehr da in Deutschland für eine Bestattungskultur?

Ein Geburtenstarker Jahrgang die 60ziger bestatten ihre Eltern,- irgendwann -irgendwie?Anonym?

Der Geburtenstarke Jahrgang wurde immer als <DER ERBEN JAHRGANG<bezeichnet „ die größte Erbengeneration “. Was haben unsere Eltern für uns vorgesorgt , uns mit Ausbildungsversicherungen, Lebensversicherungen , Immobilien eingedeckt. Alles weg ? Nichts mehr übrig für die Bestattung von Mutter und Vater?

Im Moment wird aus einem lebenslangen, überzeugten Katholik schneller als wir es uns überhaupt vorstellen wollen, in Deutschland eine anonyme Feuerbestattung” Zwangsbestattung”?

Wie und wo sollen dabei Moral- Menschlichkeits- Werte entstehen und erhalten bleiben? Eine Bestattungskultur erhalten bleiben, belebt werden?

Die Würde eines Verstorbenen wird in Euros gemessen. Teure Särge  und Urnen, üppiger Blumenschmuck zeugen von Würde – und Kultur? Der Umgang mit einem Verstorbenen wird  immer schneller abgegeben an Fremde.   “Oma ist schon weg” Ist das so ? Zeit ist Geld?

Wir lassen es zu, wir lassen zu- wie mit unseren Toten verfahren wird. Wir sehen uns unsere Toten kaum bis sehr selten an- wir lassen unsere Toten schnell abholen, Termine, Termine die drängen und klopfen uns auf die Schulter „wie schön alles war“. Ist das eine Bestattungskultur?

Wo fängt eine ” Bestattungskultur” an und wo hört sie auf ? Tote ohne jeden Wert – kein Wert für die Gesellschaft ?

Bestatter werden  sehr selten, angemessen für ihre Begleitung, für die Aufklärung, für die Beratung bezahlt- die Särge und Urnen müssen hochgerechnet werden, um als „Dienstleister“ zu überleben. Verrückte Welt. Tote Waren ( Särge und Urnen) erfahren mehr Achtung als erbrachte, menschliche Dienstleistungen. Zeit zu geben, sich Zeit zu nehmen, Zeit zu geben. Fast könne man ohne Problem , die Organisation einer Bestattung mit dem Kauf einer Küche vergleichen. Welche Griffe nehmen wir? Wie sieht das aus?

Tote werden hergerichtet ” offen aufgebahrt” ohne zu fragen, wie und was das für die Totenruhe eines Verstorbenen bedeutet. Geld wird ausgeben- im Sinne des Verstorbenen?

Was ist im Sinne eines Verstorbenen <Bestattungskultur<?

Wo ist Anfang und Ende von Moral und Sitte ?  O tempora, o mores (lat. „O Zeiten, o Sitten ist ein alter lateinischer Ausspruch, der den Verfall der Sitten beklagt.

Von Kultur ?

Das Sterben zum Leben gehört wird verdrängt, ein Tabuthema in der Öffentlichkeit, breitgetreten, viel diskutiert, Seminare zur Sterbebegleitung schissen wie Pilze aus dem Boden. Wir wollen Verantwortung übernehmen- Friedhöfe halten fest an starren Vorschriften. Um einen Verstorben lebenslang bei sich haben zu können – lassen wir ihn für teueres Geld in einen Diamanten verwandeln. Oder überführen seinen Leichnam nach Holland-ein langer Weg.

Wir umgehen Deutsche Bestattungsgesetze, um jeden Preis und die Medien sprechen von neuen Bestattungskulturen.

Kein Wunder , dass wir Deutschen keinen Sinn mehr in der heutigen Bestattungskultur sehen, wo zementierte Regeln – regeln wie wir trauern “sollen” –trauern können- trauern dürfen.

In Großstädten lassen sich bereits etwa 40 Prozent ( Tendenz stark steigend) anonym unter die Erde bringen, berichtet die Zeitschrift “Ökotest”.

Diese Zahl steigt gerade in Großstädten deutlichst an!

Sehen wir einen Sinn in einer Form des Abschiedes wie z.B der Diamantbestattung,- haben wir Geld und scheuen keinen Weg, um unseren Verstorben bei uns zu haben. ” Um den Hals”,- am Finger, in der Schmuckschatulle- alles ist möglich und darf sein ! Trauer kann aktiv besser verarbeitet werden. Wo lässt uns das heutige Bestattungsgesetzt / die Friedhofsverordnungen Platz für Trauer – die bezahlbar und individuell ist.

In Hamburg zahlt man für 90 Minuten für die Friedhofskapelle ca.200 €. In dieser Zeit muss der Bestatter Auf / Abbau leisten- der Redner seine Rede halten und für den schon wartenden, nächsten, anstehenden  Bestatter die Kapelle “sauber” hinterlassen .

Wir Bestatter hören diese Frage oft : „wie lange dauert die Trauerfeier ?“ Eine halbe Stunde?

Um ohne Hetze Abschied nehmen zu können, nehmen Sie 2 Kapellenzeiten und die Kosten steigen schnell – doppelt berechnet, ergeben sich schnell ca. 400 Euro.

Also werden wir fast gezwungen schnell- Abschied zu nehmen,wenn wir auf das Geld achten müssen.

Bestattungskultur fängt gemeinsam an, mit Behörden, Vertretern von Friedhöfen, Bestattern – uns allen.

Laut einer Infratest-Umfrage von 2007 wollten dort schon bereits 51 Prozent der Deutschen nicht mehr in einem Reihen- oder Wahlgrab beigesetzt werden. Der Trend geht zu alternativen Bestattungsformen.

Die Gräber müssen auf Friedhöfen oft einheitlich und angepasst bepflanzt werden- genau passend zu diesem „Frust“ kommt eine neue Bestattungskultur auf dem Markt . Z.B.der Ruheforst / Friedwald Bestattungen – allgemein Waldbestattungen – wo die Urne unter einem Baum beigesetzt wird.

Die Wahl der Baumart steht dabei jedem frei. Zwischen einem Platz unter einer alten Eiche oder einer Buche gibt es allerdings preisliche Unterschiede. So kostet ein Einzelplatz unter einer jungen Birke etwa  ca.800 Euro.                              ( zzgl. Beisetzungskosten) Für ein Gemeinschaftsgrab z. B. für Familien am Fuße einer hohen Eiche zahlt man mindestens ca.3.400 Euro. zzgl. ca.189 € Beisetzungskosten pro. Beisetzung. Bis zu zwölf Urnen finden dann unter einem Baum ihren Ruheplatz. Plötzlich ist Geld da, für eine Bestattunsform/ Kultur, schnell geben wir hier doch gern 3.000-5.000 Euro aus.

Und siehe da – es macht scheinbar Sinn, sich dort im Wald bestatten zu lassen -  warum sonst,- wachsen z.B. Friedwälder und Ruheforste oder andere Anbieter „ wie Pilze aus dem Boden“ – bundesweit.

Mit Geiz und Geldsorgen hat die heutige Bestattungskultur eher weniger zu tun, als mehr nach einer neuen, bezahlbaren und individuellen Sinnsuche. Moral und Kultur kann ohne, dass wir Menschen einen Sinn darin sehen, kaum existieren, geschweige wachsen.

Kultur- Friedhöfe die keinen Sinn ergeben- verkümmern? Leider ist das längst so. Der Überlebenskampf von Friedhöfen ist längst ein ernstes Thema. Renatblität, ein Zauberwort geworden.

Wo wir Menschen keinen Sinn drin sehen , uns kaum individuell erkennen, einsetzen können, verkümmern auch Kulturen und insbesondere die Bestattungkultur Deutschland und leider auch unsere Friedhöfe.

Ob eine Diamantbestattung als Kultur , als ein Teil einer Bestattungskultur angesehen werden sollte bzw. kann- kann jeder für sich entscheiden- für mich ist es ein ernstzunehmender Hilfeschrei – wo plözlich kein Geld gescheut wird.

Ein Hilfeschrei – raus aus der Anonymisierung.  Wie schreibt wikipedia so treffend: die Anonymisierung ist das Verändern personenbezogener Daten derart, dass diese Daten nicht mehr einer Person zugeordnet werden können.

Armes Deutschland mit seinen anonymen Toten. Anonymisierung schafft Kultur, Moral und Sitte ab.

Vergessene Tote in der Großstadt

Es stinkt hier schon lange,der war immer so komisch… eine Tür wird von der Poizei aufgebrochen

Ein Toter wird gefunden, den niemand vermisste?

Manche der vergessenen Toten werden zu Mumien, liegen Monate in ihrer Wohnung ,ausgetrocknet wie Pergamentpapier, zerfallen, verstaubt- vergangen, verloren, vergessen.

Vergessene Tote sind zunehmend ein Phänomen anonymer Wohnverhältnisse in Großstädten – und zwar in den Zeiten wo wir immer mehr die “sozialen” Kontakte verlieren und vergessen zu pflegen . Wir halten über Wochen und Monate Gerüche im Treppenahus aus, bevor wir reagieren, sozialen Kontakt pflegen und zuhören, mitdenken, nachfragen. Spaß soll das Leben bringen, doch bitte schön keine Probleme? Probleme haben wir ALLE schon genug!

Alleine in Hamburg gibt es jedenfalls pro Jahr bis zu ca.100 unbemerkt verstorbene Menschen.

In Hamburg werden jährlich rund 700 Menschen als “h Leichen” anonym zwangsbestattet. Mit Ironie könnte man diese Verstorbenen “Heimatlose” nennen.

Noch so ein Thema und es trifft in keinem Fall “nur” die Obdachlosen, Alkohol -Kranke- es trifft auch ” NORMALE” Menschen immer mehr.

Diese Zahlen steigen ! TOTE die niemand vermisst?

Durch die Beschäftigung mit dem Thema “die vergessenen Toten einer Großstadt”, liegt die Chance für uns zu erkennen, wie schnell jeder von uns in der heutigen Zeit von ” Geiz ist geil” zu einem vergessenen Toten werden kann. Mitmenschlichkeit, Werte, Gemeinsamkeit Achtung und Respekt werden vom Thema Geld gefressen. Der Glaube und die Hoffnung, die Liebe werden “Heimatlos” über das Thema – Geld – und Macht vergesssen – verdrängt.

Für die Beantragung der Hinterbliebenenrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden folgende Unterlagen bzw. Daten benötigt:

Für die Beantragung der Hinterbliebenenrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden folgende Unterlagen bzw. Daten benötigt:

  1. Geburts- und Heiratsurkunde im Original
  2. Sterbeurkunde
  3. Steueridentifikationsnummer der/des Hinterbliebenen
  4. Bankverbindung mit IBAN und BIC (stehen im Kontoauszug)
  5. Krankenkassen seit 1982, die Mitgliedsnummer der jetzigen Kasse
  6. Falls nur bei einem privaten Unternehmen krankenversichert, Anschrift der Versicherung und Versicherungsnummer
  7. Falls Kinder vorhanden sind, eine Geburtsurkunde (wer Kinder hat, zahlt einen geringeren Pflegeversicherungsbeitrag)
  8. Die letzten Rentenanpassungsmitteilungen der Deutschen Rentenversicherung (Verstorbener/n und Witwe/Witwer)
  9. Falls noch berufstätig, die letzte Gehaltsabrechnung
  10. Falls Arbeitslosengeld, Bewilligungsbescheid der Agentur für Arbeit
  11. Wird eine Betriebsrente gezahlt? Versorgungszusage des Arbeitgebers
  12. Zusatzversorgung? Z.B. VBL, ZVK Bau, ZVK Kirche etc. =   Bewilligungsbescheid
  13. Wird eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung gezahlt? Bescheid und letzte Anpassungsmitteilung
  14. Bei Beantragung von Waisenrenten, Geburtsurkunden aller Kinder

Elli Michler “Ich wünsche Dir Zeit”

Ich wünsche Dir Zeit!

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben,
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

Von Elli Michler

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